Suche
  • Ole Wiechern

Warum schlafen Tier und Mensch

Höre schon den ganzen Vormittag Deutschlandfunk Novas Themensonntag "Schlaf". Immer wieder wundert man sich im Radio, wieso Tier und Mensch schläft. Das Gehirn wird gesäubert, dies und jenes passiert hier und dort im Schlaf.


Ich bin schon wieder wach und frage mich warum. Gerade in Anbetracht schwieriger Umstände, an denen gar nichts zu ändern ist, gibt es doch überhaupt keinen Grund unnötig lange wach zu sein. Lebensmittel gibt es zur genüge, Fressfeinde quasi keine. Sonnenlicht zur Vitamin-D Produktion ist nur zu sehr eingeschränkten Zeiten möglich, und außerdem stellt selbst das keinen Grund zum Wachsein dar. Im Winter ist der Sonneneinfallswilkel so flach, zugleich die Einstrahldauer so kurz, dass mit einem Sonnenbrand nicht zu rechnen ist. Dass ich nicht genug Fett angesetzt habe, um wie ein Bär bis zum nächsten großen Fressen einfach mal ein paar Monate Winterschlaf zu halten, sehe ich ein. Überhaupt nicht einzusehen ist aber, dass mir ausgerechnet in dieser Zeit, in der es überhaupt wenig Grund zum Wachsein gibt, nun auch noch die Möglichkeiten zum nächtlichen Schlafen genommen werden. Aufgegessen ... besser weggefressen, von kleinen bis großen fiesen Monstern, die sich hinterrücks anschleichen und ... "buh" ... in Bruchteilen von Sekunden hellwach machen, die Farbe aus den Haaren saugen.


Dass einem die pure Angst um die Existenz und dem Wohle der Kinder zur Nachtzeit die Herzkammern auffrist, ist kein akzeptabler Zustand. Es muss okay sein hinzufallen, zu stürzen, wo man sich doch bewegen muss. Wir sollen uns gegenseitig aufhelfen. Statt dessen schicken wir Harz4 Behördenrübel vorbei, die solange auf die Gefallene einschlagen, bis sie tatsächlich gar nicht mehr von alleine aus dem Hause gehen kann, und sich schleichend selbst überzeugt vollkommen zu recht gescheitert zu sein. Die Monster selbst sitzen nun resigniert neben ihr auf der Couch, teilen mit ihr die billigen Drogen, gemeinsam berieseln sie sich mit schlechtem Content, bis sie Abend für Abend gemeinsam ohnmächtig werden, oder auch mal mitten am Tag. Das ist dann der Moment, in dem man es in der Behörde für angemessen hält, die Bezüge zu kürzen.


Wir brauchen ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle, die es noch nicht haben.


Warum sonst sollte man die ansonsten überhaupt die Anstrengung unternehmen etwas bewegen zu wollen?


Wie erklärt man das denjenigen, die es schon haben? Derjenigen, deren Eltern in der alten BRD in der Nachkriegsneuverteilung mittelständisch gutverdienend ihrem Nachwuchs nun ermöglichen konnten hier und dort die eine oder andere Eigentumswohnung aus dem Volkseigentum der DDR zur erwerben, deren in ihrem Namen elterlich gefütterte Bausparverträge und Lebensversicherungen tatsächlich zur rechten Zeit zur Auszahlung kommen, Aktienvermögen aufgebaut und fortgeschrieben wurde. Warum sollte ihre Sorglosigkeit sie nicht vor anderen auszeichnen, wo ihre Eltern doch so hart dafür gearbeitet haben?


Ersetzt man die "Anderen" durch "Mitmenschen", fühlt es sich gleich ein wenig anders an. Das Privileg gegen seinesgleichen zu verteidigen erfordert zumindest den gedanklichen Bogen des Aufzeigens einer zumindest prinzipiellen Möglichkeit für alle Mitmenschen dieses Privileg auch für sie, oder zumindest ihre Kinder, realisieren zu können. Wie auch immer dieser Bogen gespannt wird, er ist in keine Richtung stabil. Weit bequemer ist es, den "Mitmenschen" als den "Anderen" zu denken, sich mit Sinnsprüchen postnietzscheanischer Asozialer zu bereichern, die es einem gestatten, das "Mit" gerechterweise zu streichen, da dieses nur auf Mitleid referiert, eine Mitleidsethik aber eine Sklavenethik ist, ein Versuch des Schwächeren über den Stärkeren Macht auszuüben. Irgendein Mensch ist näher am "Anderen" als ein Mitmensch. Der Andere wird das Andere, wird zum Volk, zum Pöbel, zum kleinen Mann, zu allem wovon man selbst nicht glaubt Teil zu sein, nicht Teil sein kann, so man sein Privileg verteidigt wissen will. Das Andere, das Fremde nun, das ist schon so weit weg, dass man es zur Not an der Grenze erschießen, oder im Mittelmeer ertrinken lassen kann. Das Andersartige ist nicht nur Fremdes. Es ist vor allem nicht Teil des Miteinanders. "Es gibt auch immer noch die Möglichkeit ein Teil des Volkes gegen einen anderen aufzuhetzen." Das Miteinander vollständig zu zerreissen.


Wie erklärt man nun der Privilegierten das Grundeinkommen? Nun, wenn du nicht Teil des Volkes bist, so besteht auch immer die Gefahr, dass die Hässlichkeit überhand nimmt, die Stimmung überkocht oder sich blitzartig entläd. Auch wenn alles Kontrollierbare sich in deiner Hand vereint, das Unkontrollierbare kann sich jederzeit umdrehen und dich auffressen. Wenn du Burgfrieden willst, wenn du in Frieden dein Privileg ausleben möchtest, in einer Welt, die nicht durch jedes Fenster nach Apokalypse riecht, wenn du dein Leben Revü passieren lassen können willst ohne Episode, in der du Teil des Monstergesichtes warst, mit dessen Faust und Schwert durch die Masse des Volkes gepfurcht wurde, dann solltest du das Grundeinkommen befürworten. Die Zeit, in der die neo-katholische Androhung der Harz4 Knüppelhölle als Langzeitverwahrungsort für Gestrauchelte in der relevanten Breite akzeptabel war, ist dem Ende nahe.


Aber viel besser für Dich, liebe Privilegine: Das Grundeinkommen ist dein moralisch todsicherer Hafen. Wenn jeder hier so oft versuchen und scheitern kann, wie er nur will, wenn er denn will, dem Privilegium durch Wille und Tat beizutreten, und jedesmal im schlimmsten Falle bloß wieder auf bedingungsloser Existenzsicherheit landet, dann soll noch einmal jemand sagen das Privileg gehöre abgeschafft. Was jeder haben kann, gehört auch mir zu recht.


Das ist natürlich Bullshit, aber es klingt gut.

4 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Avocadolf und die biologische Uhr

Avocadolf braucht jetzt einen Advocadolf. Der Spot, dem sich Avocadolf alias Hirsehitler aufgrund seiner pausenlosen Ergüssen aus dem Lager der linksgrünversifften Gutmenschen ausgesetzt sieht, hangel

Sonntag

War heute schon um 6:30 Uhr fertig mit Schlafen. Habe die alte Filterkaffeemaschine angeworfen, Deutschlandfunk Nova eingeschaltet, und mir das gestern aus der Plastikverschweissung befreite Fotobuch

Mein erster Eintrag

Habe beschlossen ein Tagebuch zu führen.